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Jahresrückblick Braunschweig

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So soll sich die Stadt verändern

In der Innenstadt folgte 2017 ein Paukenschlag dem anderen. Die City verändert sich wie lange nicht mehr. Große Investitionen stehen in den nächsten zwei Jahren an, die Braunschweigs Zentrum und auch den Einzelhandel so markant verändern werden wie zuletzt die Eröffnung der Schloss-Arkaden im Frühjahr 2007.
Händler machen ihre Läden konkurrenzfähig
Die Burgpassage öffnet sich und wird zur Burggasse, einer neuen Einkaufsstraße. Der City-Point wird vom Einkaufszentrum zum modernen Geschäftshaus umgebaut und soll Ende 2018 auch mit neuem Namen neu durchstarten. Der Welfenhof soll, wie man hört, ebenfalls im nächsten Jahr einen neuen Zuschnitt erhalten, ins leerstehende Langerfeldt-Haus könnte bereits im Frühjahr 2018 ein neuer Großmieter einziehen – wie auch in der Dompassage, wo die frühere Diskothek „Tango“ zu einem Veranstaltungsort umgebaut wird.
Media-Markt investiert
rund 5 Millionen Euro
Unübersehbar: Der Braunschweiger Einzelhandel ist im Wandel. Die Händler machen ihre Läden konkurrenzfähig für den boomenden Online-Handel, wollen den Menschen attraktive Einkaufserlebnisse schaffen, die das Internet so nicht zu bieten hat.
Bestes Beispiel: der Media-Markt. Der Elektro-Riese am Rand der nordwestlichen Innenstadt hat 2017 – zusammen mit dem Hauseigentümer – rund fünf Millionen Euro in die Hand genommen. Herausgekommen ist ein Erlebnis-Kaufhaus der modernen Art, in dem Kunden sogar Fotodrohnen steigen lassen können – auf dem „Drohnen-Flugplatz“ im Obergeschoss.
Und die Schloss-Arkaden? Hier dreht sich nach zehn Jahren, angesichts auslaufender Mietverträge, Ende März das Mieterkarussell, das Besuchern schwindelig wurde. 19 Mieter gingen, unter ihnen: Jens Koch, Gina Laura, Bonita, Florentine by Stichnoth, Coffee House und Bäckerei Sprung. Doch nicht alle Ladenflächen füllten sich sofort wieder. Umbau und Neueröffnungen zogen sich teils Wochen und Monate hin. Erst im Herbst ist das Center wieder komplett.
Zurück zur Burgpassage. Hier enden Mitte 2018 die Mietverträge. Die in weiten Teilen jetzt schon verwaiste Passage wird ab Juli zu einer „normalen“ Einkaufsstraße umgebaut, mit Einzelhandel im EG, Büros im OG und Wohnungen darüber. Das Dach wird entfernt – und auch der alte Name verschwindet: Die 1983 eröffnete Passage wird künftig „Burggasse“ heißen und eine wichtige fußläufige Verbindung zwischen den 1a-Lagen Hutfiltern und Sack werden.
Einen neuen Namen wird auch der City-Point erhalten. Im Januar soll er verkündet werden. Eine Jury – bestehend aus Vertretern von DC Values, des AAI und der Wirtschaftsförderung – wird entscheiden.
Neuer Name für
den City-Point gesucht
Die Braunschweiger waren aufgerufen, im Rahmen eines Wettbewerbs Namensvorschläge zu machen. Nun sind viele gespannt, wie „ihr“ City-Point künftig heißen wird. Fest steht: Neben dem Textil-Giganten Primark wird der französische Sportartikelhersteller Decathlon mächtig Frequenzen in dem Geschäftshaus und auch im ganzen Quartier bringen.
Nordwestliche Innenstadt
wird zur 1a-Lage
Profitieren wird davon die lange stiefmütterlich geprägte nordwestliche Innenstadt. Erst das Fourside-Hotel im Welfenhof, das neue Mannschaftshotel von Eintracht Braunschweig, dann Primark, das neue Medienhaus der Braunschweiger Zeitung, zuletzt Media-Markt: das Quartier boomt. Hier werden inzwischen – auch dank der nahen Packhof-Tiefgarage – die allermeisten Kundenzahlen in den Straßen gezählt. Bis zu 4500 Passanten pro Stunde sind es am Sack. Damit liegt er gleichauf mit Hutfiltern und Damm.

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Die Mieten steigen, Wohnraum ist knapp – neu ist das nicht. Wohin die Reise geht, das weiß man schon seit dem Jahr 2013. Bis zum Jahr 2020 sollen darum mehr als 5000 Wohnungen entstehen. 2017 war das Jahr der Richtkränze. Der Bauboom ist in Schwung gekommen.
In den Vorjahren wurde überwiegend geplant, und die Devise lautete: möglichst keine neuen Baugebiete am Rande der Stadt. Braunschweig soll kompakt bleiben. Wir verdichten nach und nutzen die Infrastruktur, die bereits vorhanden ist.
Schaut man genau hin, soll die Stadt entlang des Ringgleises wachsen. Brachen sollen zu Wohngebieten werden. Noltemeyer-Gelände an der Hildesheimer Straße – Wohngebiet. Kälberwiese – Wohngebiet. Ehemaliges BZ-Gelände am Mittelweg – Wohngebiet. Nordbahnhof – Wohngebiet. Selbst Langer Kamp und Holzmoor liegen unweit der ehemaligen Eisenbahntrasse, die sich in einen Fuß- und Radweg verwandelt. Das gilt selbst für das Gelände des Hauptgüterbahnhofs, wo sich die Stadt nun ein Vorkaufsrecht gesichert hat.
Doch so wie die Pläne wuchsen, wuchsen auch die Sorgen, dass sich nicht mehr alle Braunschweiger eine Wohnung leisten können. 2017 war auch das Jahr, in dem der Rat der Stadt beschloss, dass Bauherren in aller Regel verpflichtet sind, 20 Prozent ihrer Neubau-Wohnungen als Sozialwohnungen auszuweisen.
Das gilt auch für die Neue Nordstadt. Am alten Nordbahnhof soll ein ganz neuer Stadtteil entstehen. Die Arbeiten für 500 Wohnungen haben begonnen. Die ersten Mieter sollen im Jahr 2018 einziehen. Zudem hat der Rat jetzt auch die Pläne auf den Weg gebracht, damit weitere 500 Wohnungen dort gebaut werden können.
In erster Linie sind es die Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften, die Richtkränze hochgezogen oder Grundsteine gelegt haben. Die Nibelungen in der Neuen Nordstadt oder am Alsterplatz in der Weststadt, die BBG im Heidberg und die Wiederaufbau ebenfalls in der Neuen Nordstadt.
Das geht mehr oder weniger problemlos. Denn wo Nachverdichtung erfolgt, dort gibt es auch Nachbarn mit Interessen und strenge Bauvorschriften. Nach vielen Jahren der Hoffnung wurde im Sommer das Bauprojekt Oker Marina im Eichtal aufgegeben. Ein Hotel soll stattdessen gebaut werden.
Sogar Gerichte werden mittlerweile bemüht. Die Umweltschützer vom BUND klagen vor dem Oberwaltungsgericht Lüneburg gegen eine Erschließungsstraße für die Neue Nordstadt, von der sie behaupten, sie sei unnötig. Vor dem Oberverwaltungsgericht stehen auch Anwohner eines Baugebiets an der Kreuzstraße. Und heftigen Widerstand haben bereits Anwohner gegen das Groß-Baugebiet an der Kälberwiese angekündigt. Dort sind obendrein auch noch 100 000 Tonnen Altlasten bekannt geworden. Das Land hat Fördermittel zugesagt, um sie zu beseitigen.
Wie schwierig Bauen mitunter ist, erlebten auch die Bauherren des Gebiets Holzmoor, wo im Herbst offenbar unerwartet streng geschützte Kröten auftauchten. Sie müssen gefangen und umgesiedelt werden, bevor das Bauen beginnen kann.
2017 war aber auch das Jahr der Rufe nach neuen Plänen. Denn wächst die Stadt weiter, muss man bald wissen, wo nach dem Jahr 2020 gebaut werden soll.

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Seit dem Jahr 2013 wird geplant und dennoch war es eine große Überraschung, als zu Jahresbeginn die Pläne für die große Erweiterung des Straßenbahnnetzes vorgestellt wurden. Ein Mammut-Projekt mit Mammut-Kosten – es wird um rund 200 Millionen Euro gehen.
Entschieden ist noch nichts. Der Rat hat lediglich die Aufnahme der Detail-Planung beschlossen. Gleichzeitig darf mit Bund und Land über Zuschüsse verhandelt werden. Denn ohne die Zuschüsse, die zwischen 50 und 75 Prozent der förderfähigen Kosten betragen sollen, lässt sich der Ausbau für Braunschweig finanziell nicht stemmen. Bevor gebaut wird, muss allerdings der Rat zustimmen. Möglicherweise werden vorab auch noch die Braunschweiger über den Ausbau abstimmen.
Fest stehen momentan nur sechs mehr oder weniger breite Korridore, in denen später die Gleise verlegt werden sollen. Als Trassen sind geplant: Anschluss von Rautheim, eine Trasse durch Volkmarode, Anbindung des Heidbergs über die Salzdahlumer Straße, eine Trasse nach Querum, inklusive Anbindung der neuen Nordstadt, eine Trasse bis oder durch Lehndorf sowie eine neue Trasse durch die westliche Innenstadt. Baubeginn sollte im Jahr 2020 sein. Erste Planungsrunden mit Bürgern fanden in den vergangenen Wochen bereits statt.
Aber es gab auch schon Rückschläge. Um das benötigte Fördergeld aus Berlin zu erhalten, müssen auf einen Schlag nicht nur zwei, sondern gleich vier Trassen durchgeplant werden. Ging es bislang nur um Rautheim und Volkmarode, kommen im nächsten Jahr bereits die Planungen Richtung Heidberg und Querum hinzu. Das kostet Zeit. Mittlerweile wird erwartet, dass der allererste Spatenstich 2022 erfolgt.

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Die Stadt wächst, die Geburtenrate steigt, die meisten Menschen sind in Lohn und Brot – soweit alles gut. Aber das heißt auch: In Krippen, Kindergärten und in der Schulkindbetreuung wird es eng.
Die Krippen und Kindergärten waren dieses Jahr nahezu vollständig ausgelastet – und da die Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Platz für ihr Kind haben, kann die Stadt gar nicht anders als weitere Plätze zu schaffen. Knapp 1000 neue Plätze sind beschlossene Sache. Um den Bau neuer Kitas zu beschleunigen, will die Stadt am liebsten freie Träger und andere private Investoren bauen lassen und selbst nur als Mieter auftreten.
Auf eine Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern besteht kein Rechtsanspruch. Hunderte berufstätige Eltern sind in diesem Jahr leer ausgegangen und fühlen sich im Stich gelassen. Die Stadt hat das Problem erkannt und bessert nach: Rund 250 zusätzliche Schuki-Plätze hat sie in diesem Jahr eingerichtet, im kommenden Jahr sollen weitere 250 folgen. Parallel dazu wird der Ausbau der Ganztags-Grundschulen vorangetrieben. 31 Millionen Euro sollen in den nächsten fünf Jahren investiert werden. Lamme und Lehndorf machen den Anfang – in Lehndorf wurde in diesem Jahr die Kita im Turm geschlossen, um den Umbau der Schule zu ermöglichen.

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Das hat der Sturm aus dem Hagenmarkt gemacht

Ein Sturm, der es in sich hatte. Das Tief Xavier war am 5. Oktober schnell und schwer auch über Braunschweig hinweggefegt. Mit Orkanböen, die insgesamt große Schäden im nördlichen und östlichen Mitteleuropa anrichteten. Insgesamt starben neun Menschen durch die Wirkungen des Sturms, sieben in Deutschland, zwei in Polen.
In Braunschweig blieb es bei Sach- und Baumschäden. Wobei es den Hagenmarkt besonders heftig traf. Im Internet machte ein Video Furore, auf dem zwei Passanten gerade noch rechtzeitig einem umstürzenden Baum ausweichen konnten.
Orkan Xavier hatte Tatsachen geschaffen, indem er die Reihen der knapp 50 Robinien auf dem Platz sichtbar gelichtet hatte. Die Stadtverwaltung hatte schließlich auch noch verbliebene Bäume wegen mangelnder Standsicherheit fällen lassen müssen.
Die Platzgestaltung beschäftigt die Braunschweiger nun sehr. Das Hägener-Forum, so nennt sich eine Initiative vor allem aus Anwohnern, hatte sich schon vor der Entwurzelung der Bäume Gedanken gemacht, wie der Hagenmarkt ansprechender gestaltet werden könnte. Die Initiative hatte betont, sie wolle gehört werden, bevor die Stadt Pläne vorlege. Die kündigte wegen des großen öffentlichen Interesses an einer Neugestaltung eine Bürgerbeteiligung an.
Auch viele unserer Leser haben Vorschläge zu Begrünung und Gestaltung des Platzes eingebracht. Die Ideen reichen vom kleinen Amphitheater bis zum Rhododendrenpark.
Die Stadt schätzte die finanziellen Sturmschäden auf rund 3 Millionen Euro. Ungefähr 1000 städtische Bäume sind Xavier an jenem Tag zum Opfer gefallen. Für die verlorengegangenen Bäume sollen in den Jahren 2018 und 2019 neue Bäume gepflanzt werden.

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Land unter im Süden der Stadt. In okernahen Teilen von Stöckheim und Leiferde laufen Ende Juli einige Keller voll, nachdem der Okerpegel in der Nacht auf die Rekordhöhe von 4,38 Metern gestiegen war. Die Flut übertraf damit die bisherige Höchstmarke von 1994.
Doch bereits am Nachmittag sinkt der Pegel wieder. Braunschweig kommt – im Gegensatz zum Landkreis Wolfenbüttel – noch einmal glimpflich davon. Die Feuerwehr öffnet alle Wehre, um Überschwemmungen in der Innenstadt zu verhindern – was auch gelingt. Überschwemmt werden vor allem Teile von Leiferde und Stöckheim.
Entspannung auch an Schunter und Mittelriede. Die Schunter bei Querum erreicht zwar in der Nacht 2,10 Meter, sinkt aber am Morgen schon wieder um mehr als 20 Zentimeter. Die Mittelriede steigt zwar an der Ebertallee auf 1,90 Meter, pendelt sich dann aber bei rund 1,60 Metern ein.
Experten stufen das Hochwasser als „20-Jahres-Ereignis“ ein. Tausende Sandsäcke werden von Helfern der Freiwilligen Feuerwehren in okernahen Stadtgebieten verteilt. Einige Keller laufen dennoch voll. Betroffen unter anderem: Bammelsburger Straße, Pestalozzistraße, Kal-Hinze-Weg, Turmfalkenweg, Ebertallee, das Gelände der Braunschweiger Hüttenwerke an der Alten Leipziger Straße.
Positiv: Das Hochwasser bewegt sich innerhalb der vorgesehenen Überschwemmungsgebiete. Es sei in etwa mit dem von 1994 zu vergleichen, auch wenn die Überschwemmungen seinerzeit größer waren, heißt es.

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Es war ein Paukenschlag – für die ganze Zugbranche wie für unsere Region, die damit aber wohl auch ihre Position als Mobilitätsstandort stärken wird. Am späten Abend des 27. September, nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates, teilte Siemens mit, was selbst Mitarbeiter überraschte: Der Konzern will seine Bahnsparte mit dem französischen Konkurrenten Alstom zusammenlegen. Der neue Bahn-Riese Siemens-Alstom soll nicht weniger werden als der Weltmarktführer der Zugbranche, wie sein künftiger Chef Henri Poupart-Lafarge zwei Wochen später im Interview mit unserer Zeitung ankündigte. In unserer Region werden mit dem geplanten Zusammenschluss knapp 6000 Menschen neue Kollegen bekommen.
Siemens beschäftigt in Braunschweig rund 3000 Mitarbeiter, die auf Signaltechnik und Bahnautomatisierung spezialisiert sind. Alstom baut in Salzgitter mit rund 2500 Mitarbeitern Züge; der weltweit größte Alstom-Standort ist der Hauptsitz in Deutschland und zugleich das internationale Kompetenzzentrum für Nahverkehrszüge. Hinzu kommt ein Service-Standort in Braunschweig. Ihre Jobs sollen alle Mitarbeiter behalten – zumindest zunächst. Wenn die Kartellbehörden zustimmen, soll ab dem endgültigen Zusammenschluss in der zweiten Hälfte 2018 eine vierjährige Standort- und Beschäftigungsgarantie beginnen.
Dementsprechend fiel das Echo in unserer Region positiv aus. Selbst die Arbeitnehmer zeigten sich optimistisch. Denn Hintergrund der „Hochzeit“ ist die erstarkende Konkurrenz aus China. Wobei Poupart-Lafarge, zurzeit Alstom-Chef, gegenüber unserer Zeitung betonte, der Zusammenschluss werde nicht davon diktiert. Grund sei die Notwendigkeit zu investieren, um die beste Lösung für den Markt anzubieten. „Wir agieren aus der Position der Stärke“, sagte der Franzose.
Doch das Ziel von Fusionen sind immer auch Synergien. „Es wird Entlassungen geben“, gab Siemens-Konzernchef Joe Kaeser unumwunden zu. In Paris demonstrierten Gewerkschafter Anfang Dezember vor dem Wirtschaftsministerium – aus Sorge vor Jobverlusten. Poupart-Lafarge hingegen betonte im Interview, die vier Jahre seien „keine Mauer“. So lange werde es dauern, bis die beiden Unternehmen eines bilden. Danach gehe das Leben weiter – „mit mehr Möglichkeiten“.
Salzgitter und Braunschweig sollen dabei sogar eine „besonders starke Rolle“ spielen. Denn sie liegen nicht nur nah beieinander, sondern ergänzen sich auch. „Es besteht kein Grund zur Angst vor Rationalisierung“, sagte der 48-Jährige. Auch bei der neuen gemeinsamen Unternehmenskultur sollten Braunschweig und Salzgitter eine große Rolle spielen. Künftig werden etwa 33 000 Mitarbeiter von Alstom und 27 000 von Siemens zusammenarbeiten. Siemens soll 51 Prozent der Anteile halten, die Zentrale in Paris sein. Welche Rolle die Standorte in unserer Region tatsächlich spielen werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.
Global hat Poupart-Lafarge eine Vision mit zwei Elementen: zum einen eine kritische Größe auf allen Kontinenten, also eine starke Präsenz auf dem Weltmarkt zu erreichen; zum anderen will der neue Bahn-Riese komplette Mobilitätssysteme anbieten. Die globalen Lösungen sollen sowohl die Steuerung des Schienennetzes einschließen als auch das Management zwischen Zugverkehr, Bussen, Taxis oder autonomen Autos.
Siemens-Alstom soll eine Plattform-Strategie verfolgen, das bedeutet gemeinsame Produktionsprozesse. Das Portfolio soll aber deshalb laut Poupart-Lafarge nicht kleiner werden. Das werde nicht allzu komplex, denn es gebe kaum Überschneidungen bei den Produkten. Siemens und Alstom konkurrierten bisher nur bei etwa zehn Prozent.
Einen anderen Konkurrenten könnte die Fusion hingegen unter Druck setzen: den kanadischen Bombardier-Konzern, der auch einen Standort in Braunschweig hat. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire erwartet sogar, dass aus Siemens-Alstom über kurz oder lang ein Dreier- oder gar Viererbündnis wird. Poupart-Lafarge äußerte sich dazu zurückhaltend. Doch auch er geht von weiteren Fusionen in der Branche aus: „Ich glaube, am Ende werden ein paar wenige globale und ein paar regionale Player miteinander konkurrieren.“
Siemens war auch an Bombardier interessiert, und auch Alstom hatte Gespräche mit Bombardier geführt. Einig wurden sich Siemens und Alstom. Poupart-Lafarge: „Ich ziehe es vor, der erste zu sein, der den besten Partner wählt – statt den, der auf der Tanzfläche übrigbleibt.“

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Vor einem Jahr hatte der Oberbürgermeister das wichtigste Projekt dieses Jahres darin gesehen, die Ausschreibung der Energienetz-Konzessionen vorzubereiten. Damals war vieles noch ungewiss – jetzt sind die Weichen gestellt: Der Energieversorger BS Energy soll einen weiteren Gesellschafter bekommen und sich erneut um die Konzessionen für das Strom- und Gasnetz bewerben.
Vorausgegangen waren harte Verhandlungen zwischen Stadt und Veolia, dem französischen Mehrheitsgesellschafter. Das Ergebnis: Veolia ist bereit, seinen Anteil von 74,9 Prozent auf 50,1 Prozent zu reduzieren. Somit kann neben der Stadt (25,1 Prozent) ein dritter Partner mit 24,8 Prozent in das Unternehmen einsteigen. Die Stadt hatte darauf gedrängt, weil sie auf zusätzliches Know-how insbesondere zu Digitalisierung und Elektro-Mobilität hofft.
In den Verhandlungen mit der Stadt hat sich Veolia außerdem bereit erklärt, Investitionen in Höhe von rund 335 Millionen Euro durch BS Energy zuzustimmen. Dabei geht es zum Beispiel um den Ausbau des Glasfasernetzes, um den Anschluss von Neubaugebieten ans Fernwärmenetz und um intelligente Messgeräte. Das größte und sichtbarste Vorhaben ist der vereinbarte Ausstieg aus der Kohle: Spätestens 2022 soll das Steinkohle-Heizkraftwerk an der Hamburger Straße stillgelegt werden.
BS Energy hat verschiedene Alternativen zur Erzeugung von Fernwärme und Strom geprüft. Drei Optionen sollen nun weiter vorangetrieben werden: Im Gespräch sind ein Biomasse-Heizkraftwerk, ein Gasturbinen-Heizkraftwerk und eine Abwärmeleitung vom Stahlwerk in Salzgitter nach Braunschweig. Eine Festlegung auf eine bestimmte Kombination dieser Optionen könnte dem Unternehmen zufolge 2018 fallen und hängt davon ab, welche finanzielle Förderung es vom Bund gibt.
Der Rat hat den Plänen der Stadt und dem Vertrag mit Veolia im November mit großer Mehrheit zugestimmt. Auslöser dieser gesamten Entwicklung ist die gesetzlich vorgeschriebene Neuausschreibung der Konzessionen für das Strom- und das Gasnetz. Die Konzessionen sind zurzeit in der Hand von BS Energy und laufen 2020 aus.
Die Stadt musste jetzt entscheiden, wie die Konzessionen ausgeschrieben werden sollen – und ob sich beispielsweise die Stadt auch darum bewerben sollte. Für diese Überlegungen hatte die Verwaltung ein Beratungsunternehmen hinzugezogen. Es sollte grundsätzlich prüfen, wie sich die Ziele der Stadt – Kohleausstieg, regionale Wertschöpfung, Sicherung von Arbeitsplätzen, Digitalisierung – am besten verwirklichen lassen. Das Ergebnis: Das beste Modell wäre eine Aufstockung des städtischen Anteils an BS Energy auf mehr als 50 Prozent. Doch dazu war Veolia nicht bereit. Als zweitbestes Modell empfahlen die Berater eine Aufstockung auf bis zu 49,9 Prozent. Diesen Schritt wollte die Stadt aber aus finanziellen Gründen nicht gehen: Der Kaufpreis für rund ein Viertel der Anteile dürfte Schätzungen zufolge zwischen 100 und 150 Millionen Euro liegen.
Deswegen kommt nun das von den Beratern an dritter Stelle empfohlene Modell zum Zuge: die Beteiligung eines weiteren Partners. Dabei soll es sich um ein kommunales Stadtwerk handeln, oder zumindest um ein Unternehmen, das mehrheitlich in kommunaler Hand ist. Die Stadt hatte bereits sechs theoretisch mögliche Partner genannt: die Stadtwerke Wolfsburg, Hannover und Magdeburg sowie die Energieunternehmen Gelsenwasser, Thüga und EWE aus Oldenburg. Ob nun einer von ihnen oder ein anderes Unternehmen der dritte Gesellschafter wird, ist offen. Bis zum 28. Dezember konnten Interessenten Angebote abgeben. Jetzt werden die Unterlagen geprüft. Mitte 2018 soll der Verkauf abgeschlossen sein.
Damit ist aber längst nicht alles in „trockenen Tüchern“. Denn dann folgt die Ausschreibung der Konzessionen. BS Energy wird sich darum bewerben – der Ausgang des Verfahrens ist offen.

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Studenten der HBK Braunschweig protestieren mit der Besetzung gegen die Einschränkung der Nutzungszeiten im Ateliergebäude Blumenstraße durch die Hochschulleitung.

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Der Kulturausschuss billigt den Nutzungsvertrag mit Kufa für das künftige soziokulturelle Zentrum. Die Eröffnung ist im Sommer/Herbst 2018 geplant.

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Im Sommer kam mit Dagmar Schlingmann zum ersten Mal in der langen Geschichte des Staatstheaters eine Frau in das Amt des Generalintendanten. Die gebürtige Braunschweigerin Isabel Ostermann ist neue Operndirektorin. Sie scharten ein erz-sympathisches Team um sich. Auf das Publikum zuzugehen, das Theater wieder zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt zu machen, war und ist erklärtes Ziel.
Und künstlerisch? Nun, im Gegensatz zu ihrem Vorgänger ist Dagmar Schlingmann eine inszenierende Intendantin. Das ist mutig, denn als solche setzt sie sich der Kritik aus, kann nicht, wie Joachim Klement, unberührt über den Wassern schweben. Die Kritik ihrer ersten Inszenierung „Haus der gebrochenen Herzen“ fiel denn auch (nicht nur in dieser Zeitung) weniger gut aus. In der Oper gab es eine beeindruckende Regie-Probe Ostermannns („Rivale“), ein mutiges Cage-Projekt und einen stimmlich sehr respektablen, bühnenbildnerisch allerdings teilweise etwas lieblosen „Don Carlo“.
Das Schauspiel riskierte in der neuen Spielstätte Aquarium unterhaltsame Mischformen aus Musik, Film und Theater, leistete sich aber auch eine peinliche Albernheit mit „Open House“. Im Kleinen Haus gelang bisher weder mit „Moby Dick“ noch mit „Die Frau vom Meer“ ein großer Wurf. Wir haben aber das Gefühl: Das wird schon.

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Bis zum Schluss hatten beide Seiten gehofft, dieses Szenario vermeiden zu können. Die einen, die Zweitliga-Fußballer von Eintracht Braunschweig, hatten bis zur 0:6-Klatsche in Bielefeld gehofft, direkt in die Bundesliga aufzusteigen. Und die anderen, die Kicker des VfL Wolfsburg, wollten wohl bis zum letzten Spieltag in Hamburg nicht wirklich wahrhaben, dass sie um ihren Platz in Deutschlands Eliteliga bangen müssen. Doch dann köpft ein gewisser Luca Waldschmidt in der 82. Minute ins Wolfsburger Tor, und der VfL findet sich nach einer 1:2-Niederlage gegen den HSV plötzlich auf Tabellenplatz 16 wieder. Der bedeutet Relegation. Da in der 2. Liga einen Tag später eine Überraschung ausbleibt, und Stuttgart und Hannover ihre Hausaufgaben machen, wird Eintracht Dritter und damit Gegner des VfL in den zwei Spielen, die über die Zugehörigkeit zur Bundesliga entscheiden.
Mehr Fußball-Drama geht kaum. Die beiden größten Klubs der Region in einem direkten Duell um Aufstieg und Abstieg gegeneinander. Da die Wolfsburger, die ihren durch viele VW-Millionen gestützten Ambitionen schon eine Saison hinterherlaufen und nun ausgerechnet gegen den Erzrivalen um alles spielen. Nach einer Niederlage in der Relegation ausgerechnet gegen Eintracht abzusteigen, würde die Katastrophe noch ein wenig größer erscheinen lassen. Und dort die Braunschweiger, die auf den ersten Blick viel weniger zu verlieren haben. Aber welcher Eintracht-Fan will schon gegen den ungeliebten Nachbarn unterliegen. Gegen jenen VfL, dem viele in Braunschweig und Umgebung bis heute die Anerkennung verweigern und deshalb auch nicht von einem Derby sprechen wollen, obwohl zwischen beiden Städten nicht mal 30 Kilometer liegen.
Es sind diese Zutaten, die diese Relegation, die auch unter normalen Umständen eine dramatische Zuspitzung der sportlichen Entscheidung ist, diesmal so brenzlig machen. Brenzlig für die beiden Klubs, für ihre Fans, für die Polizei, für die ganze Region. Es ist eine Ausnahmesituation. Und das zeigt sich bereits im Hinspiel in Wolfsburg.
Für die einen wurde Mario Gomez am Abend des 25. Mai zum Helden, für die anderen zu einem Feindbild. Es lief die 34. Minute, als eine doppelte Fehlentscheidung Sascha Stegemanns zum 1:0 für den VfL führte. Erst übersah der Referee ein Handspiel Gomez’, um Sekunden später auf Strafstoß zu entscheiden, weil Eintrachts Verteidiger Gustav Valsvik den Ball aus Nahdistanz an den Arm bekam. Gomez war’s egal, er brachte seine Grün-Weißen vom Punkt in Führung, nachdem sich beide Teams zuvor weitestgehend neutralisiert hatten.
Ärger hatte es bereits vor dem Anpfiff gegeben. Auf dem Marsch der Braunschweiger Fans in Richtung VW-Arena setzte die Polizei Wasserwerfer ein, angeblich hatten einige Anhänger die Route verlassen wollen, zudem seien Flaschen und Steine auf die Beamten geflogen. Vonseiten der Eintracht-Fans wurde der Einsatz als unverhältnismäßig kritisiert. Rund 3000 von ihnen fanden den Weg in die VW-Arena, die aufgrund der strengen Kartenvergabe-Praxis des VfL mit nur 29 100 Zuschauern nicht ganz ausverkauft war.
Die sahen nach dem 1:0 durch Gomez ein packendes, aber kein hochklassiges Relegationsspiel. Eintrachts Keeper Jasmin Fejzic vereitelte die eine oder andere VfL-Gelegenheit, während die Braunschweiger kaum gefährlich vors Tor kamen. Bitter aus Sicht der Gäste: Der in der 60. Minute erst eingewechselte Stürmer Domi Kumbela musste zwölf Minuten später wegen einer Muskelverletzung wieder vom Platz. In der Nachspielzeit sorgte die Eintracht in Person von Ken Reichel mit einem Distanzschuss noch für Gefahr, aber mehr kam nicht. Es blieb beim 1:0.
Nach dem Schlusspfiff wurde natürlich der Elfmeterpfiff ausgiebig diskutiert. VfL-Sportdirektor Olaf Rebbe erklärte: „Für den Schiri war das schwer zu bewerten. Aber man kann das vertreten.“ Eintrachts Trainer Torsten Lieberknecht war sauer und schimpfte auf Stegemann: „Er hat uns schon in Hannover einen Elfmeter verwehrt, einen klaren. Das ist so bitter.“ Sein Spieler Hendrick Zuck fasste die Braunschweiger Meinung kurz und knapp zusammen: „Der Elfmeter war ein Witz.“
Dennoch gaben sich die Blau-Gelben kämpferisch. „In Braunschweig werden wir Gas geben, alles versuchen. Dann werden wir mal sehen, wer den Platz als Sieger verlässt“, sagte Angreifer Onel Hernandez, der in der Vorsaison noch für die U23 der Grün-Weißen gespielt hatte. Und deren Trainer Andries Jonker erklärte: „Ein 1:0 ist gut, zu null ist auch immer gut. Aber ein Tor mehr für uns wäre noch besser gewesen.“
Für Diskussionen abseits des Platzes sorgte im Nachgang noch eine weitere pikante Aktion. Die Schuhe der Braunschweiger waren vor Anpfiff pitschenass. Sie hatten sie in der Dusche gelagert. „Vielleicht hat sich da irgendein Wolfsburger einen Scherz erlaubt. Ich weiß nicht, ob so etwas sein muss. Aber normalerweise wird so etwas bestraft“, sagte Ken Reichel. Doch der VfL wies die Schuld von sich, schob alles auf die Technik. Ein aus Hygienegründen automatisch ausgelöster Spülvorgang der Duschen habe die Schuhe durchnässt. „Es handelt sich hierbei also keinesfalls um eine bewusste Störung durch den VfL“, so das offizielle Statement von Wolfsburgs Veranstaltungsleiter Thomas Franke.
Doch alle Beschwichtigungsversuche aus Wolfsburg können nichts daran ändern, dass die Eintracht das Rückspiel in Braunschweig mit viel Schaum vor dem Mund beginnen wird. Lieberknecht hatte seine Mannschaft noch auf dem Rasen der VW-Arena auf diese Partie eingestimmt. Und einem TV-Journalisten hatte er fast schon beschwörend ins Mikrofon in Richtung VfL gesagt: „Kommen Sie mal Montagabend nach Braunschweig, jaaa! Da wissen Sie, was los ist.“
Los war an diesem 29. Mai dann wirklich viel. Zunächst aus Braunschweiger Sicht auch eine Menge Positives. Mit einer Choreografie, die Gänsehaut brachte, hatten die Eintracht-Fans das Spiel eingeläutet. Und die Löwen ließen sich von der Stimmung antreiben, versuchten ihre kleine Chance doch noch am Schopfe zu packen. Wie im Hinspiel waren Chancen da, in Führung zu gehen. Reichel hatte die beste Möglichkeit. Eintracht drückte, setzte den VfL unter Druck. Der wirkte unsicher, instabil, spielte – mal wieder – deutlich unter seinen Möglichkeiten. Doch die Blau-Gelben konnten diese Schwäche nicht für sich nutzen. Mit einem 0:0 ging es in die Kabine.
Nach dem Seitenwechsel kippte aber zunächst die Stimmung und dann das Spiel. Ein Böllerwurf aus Block 9 auf einen eigenen Ordner kurz nach der Pause zeigte das hässliche Gesicht des Braunschweigers Anhangs. Plötzlich war es fast still im Stadion. Kein Gesang, keine Anfeuerung fand mehr statt. Es mag Zufall gewesen sein, dass ausgerechnet in diesen Minuten Wolfsburgs Treffer fiel, doch Eintrachts Präsident Ebel sah zumindest einen Zusammenhang. „Dadurch gab es einen Bruch im Spiel.“
Beim VfL wurde Vierinha zum Helden. Sein Tor sorgte bei den Grün-Weißen für die nötige Sicherheit. In dem Moment, wo der Klassenerhalt so gut wie greifbar war, spielten die Wolfsburger, wie man es von einem Erstligisten erwartet: abgeklärt und ballsicher. Die Horror-Saison endete doch noch mit einem Happy End. Die Rückfahrt nach dem 1:0-Sieg nach Wolfsburg geriet zur größten Party seit dem Pokalsieg 2015.
Bei Eintracht herrschte dagegen Katzenjammer. „Deshalb hasse ich die Relegation. Mit so einer Entscheidung ist die Saison fast im Arsch“, hatte Lieberknecht bereits nach dem umstrittenen Elfmeterpfiff im Hinspiel gesagt. Nun hatte er endgültig Recht behalten. Die Herbstmeisterschaft, die vielen Punkte, die guten Leistungen der Eintracht – alles umsonst. Der Traum vom Aufstieg war geplatzt. Bei einigen Zuschauern entlud sich der Frust auf unschöne Weise. Mit einem Platzsturm und Provokationen Richtung VfL-Fans endete eine tolle Saison auf bittere Weise. Davon hat sich Eintracht bis heute nicht richtig erholt. Es ist nur ein schwacher Trost, dass es für den VfL nach der erfolgreichen Relegation auch nicht besser lief.

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Die Braunschweiger Basketball-Schule machte 2017 bundesweit große Schlagzeilen. Erst wirbelten Dennis Schröder und Daniel Theis mit dem Nationalteam bei der Europameisterschaft auf Platz sechs, dann setzte sich nach Schröder auch Theis in der NBA, der besten Liga der Welt, auf Anhieb richtig gut durch. Doch auf das Prestigekonto des Erstliga-Standorts zahlte der Erfolg seiner einstigen Jugendspieler und Jungprofis aus Salzgitter und Braunschweig bislang nicht ein.
Sponsoren und Zuschauer werden nach wie vor händeringend gesucht, die Finanzdecke ist im zweiten Jahr in Folge sehr dünn, der Etat mit rund 2,5 Millionen Euro einer der kleinsten in der BBL. Dabei haben die Löwen in einem Jahr des Umbruchs schon allerhand umgesetzt, um ihre Lage zu verbessern.
Den Grundstein legte der Klassenerhalt in der vergangenen Saison, den die Löwen mit ihrem Heimsieg gegen den Rivalen Vechta Mitte April endgültig perfekt machten. Angesichts eines nicht erstligatauglichen Mannschaftsbudgets hatten Sportchef Frank Menz und sein trotz individueller Schwächen leidenschaftlich kämpfendes Team das Optimum herausgeholt. Und Glück gehabt. Denn angesichts der Hagener Insolvenz und Vechtas Schwäche reichten sechs Siege, um in der Liga zu bleiben.
Hinter den Kulissen haben sich die Löwen neu aufgestellt. Mit Aufsichtsratschef Michael Doering schied nach 13 Jahren ein großer Fürsprecher und Werber für den Basketball aus. Doch auch sein einstiger Vize Paul Anfang übernahm die Aufgabe mit riesigem Engagement und schrieb sich mehr als die bloße Mängelverwaltung auf die Fahne. Auch ohne Geschäftsführer – Stefan Schwope war schon ausgeschieden, dessen Nachfolger Sebastian Schmidt noch nicht angetreten – bewegte der BS-Energy-Vorstand zusammen mit der Geschäftsstellen-Crew einiges.
Die größte Verbesserung war die Abhängung der Kurven in der VW-Halle. Schmucke Logo-Planen verkleinern die riesige Arena optisch und sorgen für bessere Stimmung, auch wenn sie das Urproblem der vielen leeren Sitze natürlich nicht beheben. Bei den Zuschauern liegen die Löwen noch unter dem Vorjahresniveau.
Dabei läuft es sportlich viel besser. Bei der Teamzusammenstellung profitierte Frank Menz von der guten Arbeit im Vorjahr. Nicht nur, dass der Abstiegskandidat Nummer eins mit guter Teamchemie geglänzt und die Liga gehalten hatte, fast alle Spieler hatten sich im Programm mit guten Trainern und auch individuell weiterentwickelt.
Die Rookies Geoffrey Groselle und Dyshawn Pierre, der im Löwen-Trikot zum besten Rebounder der Liga avancierte, als auch die aus der zweiten Liga gekommenen Carlos Medlock und Carlton Guyton bekamen höherdotierte Verträge anderswo.
Braunschweig als Sprungbrett – das sprach sich rum. Und so konnte Menz die Mannschaft im Sommer trotz weiterhin knapper Kasse deutlich besser aufstellen und mit der Verpflichtung von Scott Eatherton sogar einen großen Coup landen. Der Center ist das Gesicht der Löwen, der effektivste Spieler der Liga und läuft Mitte Januar im Allstarteam auf.
Auch die anderen ausländischen Profis bringen mehr Erfahrung und Athletik mit als ihre Vorgänger. Für die Identifikation haben die Löwen ebenfalls einiges getan. Es blieben die Sympathieträger Thomas Klepeisz, Tim Schwartz und Luis Figge. In Lars Lagerpusch und Dennis Nawrocki haben zwei echte Braunschweiger den Sprung ins Erstligateam geschafft und spielen auch. Und Bazou Koné, der nächste Löwen-Kandidat fürs Nationalteam, hatte einst schon mit Kumpel Dennis Schröder und Daniel Theis im Braunschweiger U19-Bundesligateam für Furore gesorgt.
Die Mannschaft spielt attraktiv und hat bereits vor Abschluss der Hinrunde sechs Siege eingefahren, Heim-Coups gegen die Favoriten Würzburg und Oldenburg für die Fanseele und vier Kampfsiege gegen die Kellerteams für den Klassenerhalt.
Die größten Fortschritte sind den Löwen im abgelaufenen Jahr – gemessen an der Ausgangslage – also wieder sportlich gelungen. Anfang und Schmidt ist zu wünschen, dass sie 2018 auch im finanziellen Überlebenskampf vorankommen. Ihr Hoffnungsträger, mittlerweile Millionär und Sponsor bei Eintrachts Fußballern, heißt Dennis Schröder.

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Was war das für ein tolles Spektakel! Die Weltmeisterschaft im Standard-Formationstanzen hat im November in der VW-Halle Tausende von Tanzsportfreunden begeistert. Und sie haben ihre Lieblinge vom Braunschweiger TSC lautstark und innig gefeiert. Auch wenn es zum Titelgewinn um Haaresbreite nicht gereicht hat.
Auch 2018 gibt es erneut im November, am 10., an gleicher Stätte einen Leckerbissen zu sehen. Dann wird in Braunschweig der deutsche Meister gekürt. Genauer gesagt werden zwei Titel vergeben, in der Sektion Standard und in der Sektion Latein.
Doch bis dahin ist für die Sportler von Trainer Rüdiger Knaack noch ein weiter Weg zu gehen. Mit dem inoffiziellen Titel Vizeweltmeister im Rücken gilt es, ab Mitte Januar die Bundesligarunde so erfolgreich wie möglich zu gestalten. Der BTSC muss beweisen, dass der Tiefpunkt des Jahres 2017, der dritte Platz bei der deutschen Meisterschaft in Bremen, nur ein Betriebsunfall war. Oder eine Fehlentscheidung. Oder eine Verkettung von unglücklichen Zufällen.
Sportlich jedenfalls sind die Braunschweiger auf dem richtigen Weg. So gut wie bei der WM hat man sie seit Jahren nicht gesehen. Allerdings ist die Personaldecke extrem dünn. Es wird eine Hauptaufgabe für die Zukunft sein, neue Talente an das Niveau des WM-Kaders heranzuführen.

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Was war das für ein tolles Spektakel! Die Weltmeisterschaft im Standard-Formationstanzen hat im November in der VW-Halle Tausende von Tanzsportfreunden begeistert. Und sie haben ihre Lieblinge vom Braunschweiger TSC lautstark und innig gefeiert. Auch wenn es zum Titelgewinn um Haaresbreite nicht gereicht hat.
Auch 2018 gibt es erneut im November, am 10., an gleicher Stätte einen Leckerbissen zu sehen. Dann wird in Braunschweig der deutsche Meister gekürt. Genauer gesagt werden zwei Titel vergeben, in der Sektion Standard und in der Sektion Latein.
Doch bis dahin ist für die Sportler von Trainer Rüdiger Knaack noch ein weiter Weg zu gehen. Mit dem inoffiziellen Titel Vizeweltmeister im Rücken gilt es, ab Mitte Januar die Bundesligarunde so erfolgreich wie möglich zu gestalten. Der BTSC muss beweisen, dass der Tiefpunkt des Jahres 2017, der dritte Platz bei der deutschen Meisterschaft in Bremen, nur ein Betriebsunfall war. Oder eine Fehlentscheidung. Oder eine Verkettung von unglücklichen Zufällen.
Sportlich jedenfalls sind die Braunschweiger auf dem richtigen Weg. So gut wie bei der WM hat man sie seit Jahren nicht gesehen. Allerdings ist die Personaldecke extrem dünn. Es wird eine Hauptaufgabe für die Zukunft sein, neue Talente an das Niveau des WM-Kaders heranzuführen.

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